"Motzki-Toni" abgestraft: 10 000 Mark an Kinderklinik (Kreiszeitung vom 31.Oktober 2001) "Ich kann damit leben" / Andi Herzog forciert seinen Abschied: "Mir reicht's" Von Arne Flügge Seine fünf Gelben Karten sind Ailton teuer zu stehen gekommen: Werder Bremens Stürmer wurde gestern von der sportlichen Leitung wegen seiner Unbeherrschtheit zu einer Geldstrafe von 10 000 Mark "verknackt". Die Summe kommt einer Kinderklinik in Bremen zugute. Der 28-Jährige bestätigte gestern Abend gegenüber unserer Zeitung das Strafmaß: "Ich bin natürlich nicht glücklich darüber, dass ich so viel zahlen muss. Da das Geld aber einem guten Zweck zur Verfügung gestellt wird, kann ich damit leben." Bremens Sportdirektor Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf hatten sich "Motzki-Toni" gestern Nachmittag zur Brust genommen. "Wir haben ihm die Gründe unseres Ärgers genannt", meinte Allofs anschließend, "er hat sich amateurhaft verhalten und damit sich und der Mannschaft geschadet." Die Höhe der Strafe kommentierte der Ex-Nationalspieler gewohnheitsgemäß nicht, meinte aber, "dass wir im Rahmen unserer Regeln geahndet haben. Und da fließen zumeist Geldbeträge. Mal in die Mannschaftskasse, mal aber auch für gemeinnützige Zwecke." Für Klaus Allofs ist wichtig, "dass Toni begreift, dass wir aus einem guten einen noch besseren Spieler machen wollen. Und dazu gehört, dass er sich nicht provozieren lassen darf." So sieht es auch Trainer Thomas Schaaf: "Wir haben Toni klargemacht, dass die Art und Weise, wie er sich verhalten hat, nicht funktioniert. Sich zu solchen Unbeherrschtheiten hinreißen zu lassen, ist nicht nur eine Frage des Temperamentes, sodern vor allem der Disziplin. Ich hoffe, dass Toni jetzt dazulernt." Der Sünder selbst zeigte sich zumindest äußerlich einsichtig, "wenn ich auch nicht zufrieden sein kann, dass ich die Strafe bekommen habe". Zahlen wird er sie, obwohl er das zunächst strikt abgelehnt hatte. "Aber das Geld ist ja für Kinder", sagt Ailton, "und ich denke, die Kritik von Schaaf und Allofs war auch gerechtfertigt. Thomas Schaaf hat mir gesagt, ich soll mein Temperament zügeln und dass so etwas nicht wieder vorkommen darf." Bleibt abzuwarten, ob "Motzki-Toni" die Kritik und Strafe bis zum 17. November verinnerlicht hat. Dann nämlich darf er wieder ran für Werder - gegen die Bayern. Für einen anderen Bremer dürfte dies nur ein Wunschgedanke sein. Andreas Herzog spielt in den Planungen von Trainer Scchaaf nur noch eine minimale Rolle. Und die ist Herzog zu klein. "Ich bin mir zu schade, nur noch den Pausenkasper zu spielen", sagt er in der heute erscheinenden Illustrierten "News". Und gestern bereits forcierte der 33-Jährige seinen Abschied von der Weser: "Ich habe mich immer fair verhalten, aber jetzt reicht es mir. Dass ich die letzten sechs Wochen fast gar nicht gespielt habe, zeigt mir doch, dass ich in Bremen nicht mehr gebraucht werde. Dann soll man mich doch gehen lassen." Herzog strebt einen Wechsel zu seinem Stammverein Rapid Wien noch im Winter an. "Es ist ein Traum von mir, mit Rapid noch einmal einen großen Titel zu holen." Der Knackpunkt allerdings: Herzogs Vertrag läuft noch bis zum Sommer 2002, und er würde demnach noch Ablöse kosten. "Dass Rapid das nicht bezahlen kann, ist doch klar", erklärt Herzog, der ein Gentlemen-Agreement anstrebt: Ablösefrei im Winter zu wecheln, "schließlich spart Werder dann ja auch ein halbes Jahr mein Gehalt ein." Und das dürften für diese Zeit rund 1,5 Millionen Mark sein. In Österreich hat Herzog, der für die entscheidenden Relegationsspiele zur Fußball-WM am 10. und 14. November gegen die Türkei natürlich wieder nominiert wurde, das Standing, was er in Bremen schon lange verloren hat. Während er bei Werder eher sein Gnadenbrot bekommt, erhält er nach seinem Tor zum 1:1 gegen Israel auch vier Tage später noch haufenweise SMS's. Auch gestern nach dem Training wieder: "Andi Nationale, du bist der Beste" war eine. Die andere noch deutlicher: "Andi - du bis besser als Sex!" Verständlich, dass Herzog lieber heute als morgen in seine Heimat möchte. Dorthin, wo er verehrt und nicht verschmäht wird. |
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