Die Verteidigung des Stürmers   (Weserkurier vom 30.August 2001)
Ailton der schwer Erziehbare

Von unserem Redakteur
Olaf Dorow

Es passiert immer wieder. Ailton läuft ins Abseits, Ailton bekommt eine gelbe Karte. Zum Haareraufen. Manche Sachen sind ja Veranlagung: Schnell rennen können, nicht köpfen können - aber einfach die Spielregeln beachten, das muss doch, verdammt noch mal, zu lernen sein.
Die bisherige Werder-Karriere des flinken Brasilianers lässt Zweifel aufkommen. Wir haben gedacht, er ist schon weiter", sagt Klaus Allofs. Als der Sportdirektor am Samstag sah, wie Toni den Ball auf die Tribüne drosch, dachte er: Das ist ja fahrlässig, das ist ja Betteln um Gelb!"
Ailton, der schwer Erziehbare. Dabei muss er doch, in seinem Alter" eine ganz andere Rolle übernehmen, findet Allofs. Verantwortung tragen statt der Mannschaft zu schaden, indem er jetzt gegen Rostock eine Sperre absitzt. Effektiver werden, das große Potential ausschöpfen, das schnelle Beine und ein strammer Schuss bieten.
Da haben sich Klaus Allofs und Thomas Schaaf aber was vorgenommen. Irgendwie scheinen das Abseits und gelbe Karten zu Ailton dazuzugehören wie die recht übersichtlichen Deutsch-Kenntnisse oder sein miserables Kopfballspiel.
Wir geben uns nicht zufrieden", sagt Allofs, aber mehr als auf den Stürmer einzureden, immer wieder an den Schwachpunkten zu arbeiten, fällt ihm auch nicht ein. Was auch? Bestrafen? Bestrafen ist pädagogisch nicht immer wertvoll. Obwohl es ja sehr modern zu sein scheint", sagt Allofs mit Seitenblick nach Nürnberg. Im Raum steht in Bremen das Streichen der Prämie für den Sieg gegen Wolfsburg. Allofs sagt dazu aber nur, dass er nur gesagt habe, dass Ailton am nächsten Wochenende in Rostock die Prämie entgehen werde. Er will noch mal mit dem Trainer drüber sprechen.
Das will auch Ailton. Eine Vereinsstrafe für Zuspätkommen im Training könnte er verstehen, eine für etwas, das im Spiel passiert, eher weniger. Denn für seine vielen gelben Karten kann er praktisch nichts: Ich weiß, dass das kindisch ist, aber das ist eben mein Temperament", sagt er und beginnt ein längeres Plädoyer in eigener Sache.
Er sei halt frustriert wegen der vielen Fouls gegen ihn, es sei doch besser den Ball wegzuschießen als den Gegner zu treten. Die gelben Karten von Verteidigern, die andere per Grätsche verletzen, seien auch nicht besser als die eines Stürmers, der meckert. In seinem Weltbild steht der verschossene Elfmeter viel mehr in der Kritik. Das war viel schlimmer, das darf nicht passieren."
Naja, so kann man das auch sehen. Man kann das sogar so sehen, dass Ailton durch sein Fehlen in Rostock der Mannschaft nicht nur schadet sondern auch nutzt. Es schmerzt, aber birgt auch Chancen", sagt Allofs. Zum Beispiel auf einen Einsatz für Werders Neuzugänge Ivan Klasnic oder Roberto Silva. Ich verstehe den Ärger", sagt Ailton, aber ich bin nicht Supermann. Ivan und Roberto werden mich gut vertreten." Na denn.