Julio Cesar verkauft Ailton nach Dortmund - BVB muss Amoroso verkaufen (Sport-Bild vom 29.Januar 2003)
Der Bremer Manager Klaus Allofs fürchtet die alte Seilschaft von Julio Cesar zu Borussia Dortmund. Denn Cesar ist, so Sportdirektor Allofs (46), nicht nur Ailtons väterlicher Freund, sondern auch dessen Berater. "Er hilft mit vielen Ratschlägen und guten Tipps", sagt Allofs. Und natürlich auch bei der Karriere-Planung.
Um es kurz zu machen: Zuletzt schwebte Cesar kurz vor Weihnachten bei Allofs rein - um über den brasilianischen Markt zu sprechen und über Ailton. Dessen Vertrag endet 2004. Allofs meint: "Julio weiss, dass Ailton bei uns gut aufgehoben ist. Wenn er ihn gut berät, wird er ihn auch in dieser Richtung beeinflussen.Ich bin mir sicher: Er macht das auch !"
Aber Allofs ist auch nervös: der Grund heisst Borussia Dortmund. Noch immer hat Cesar beste Kontakte zur Borussia - dort spielen bereits fünf Brasilianer und Amoroso soll gehen.
All das weiss Allofs.
Zudem ist Werder gewarnt, denn mit Frings verliess vor der Saison schon ein Leistungsträger Werder in Richtung Dortmund.
Wiederholt sich dieses Szenario im Sommer ?
Hinzu kommen Werders Sorgen um die finanzielle Zukunft. Der Verein ist eigentlich gut situiert, allein durch die Verkäufe von Rost, Frings und Pizarro flossen gut und gerne 22 Mio. EURO an Extra-Einnahmen in die Werder-Kassen. Doch Allofs sagt: "Wir wissen nicht, wohin der finanzielle Weg führt. Auf der einen Seite müssen wir Personalkosten senken, auf der anderen Seite sollen wir mit Spielern verlängern, die dann natürlich auch wesentlich mehr verdienen wollen. Wir müssen genau absehen, woher das Geld kommt."
Dass Cesar in der Tat Einfluss auf Ailton hat, merkte Schaaf Anfang Januar, als Ailton mit nur einem Tag Verspätung aus dem Heimaturlaub kam - persönlicher Rekord. Cesar wurde seinerzeit von Allofs gedrängt, bei Ailton auf eine pünktliche Anreise zu achten.
Derweil wird beim BvB der Torschützenkönig zum Problemfall. Marcio Amoroso akzeptiert nicht, was Matthias Sammer vorgibt. Sein Verkauf käme Dortmund nur recht - sie brauchen Geld.
Sammer: "Wenn Du solch ein Spiel wie in Berlin verlierst, ist es eigene Dämlichkeit. Wenn solche Anfängerfehler gemacht werden, brauchst Du gar nicht erst nach ganz oben zu schauen" - er kochte vor Wut. Gemeint war Marcio Amoroso, dessen Abspielfehler im Mittelfeld zum zweiten Berliner Tor führte.
Sammers Geduld mit dem eigenwilligen Stürmerstar endet langsam. Zu unterschiedlich sind die Auffassungen von Disziplin und Kampf. Und Amoroso ist mit seiner ungeliebten Rolle als Joker mehr als unzufrieden. Amoroso fordernd: "Ich will mit Dortmund viel erreichen, dafür muss ich aber spielen !" Den Fehler in Berlin führte er auf mangelnde Einsatzzeiten zurück.
Zwar hat Amoroso für das Länderspiel am 12.02. in China wieder eine Einladung zur "Selecao" erhalten, doch wird er diesen Platz auf Dauer nur halten können, wenn er auch im Verein Stammspieler ist.
Ein vorzeitiger Abschied zum Saisonende scheint abzusehen - zumal der ruhmreiche FC Barcelona unentwegt sein Interesse bekundet. Dortmund könnte so einem Wechsel gar nicht abgeneigt sein - bei entsprechender Ablöse. Der einzige börsennotierte Bundesligist ist finanziell längst nicht mehr auf Rosen gebettet. So wird beispielsweise der Frings-Transfer in Raten gezahlt. Wenn auch Meier abwiegelt: "Das ist bei Summen in dieser Größenordnung durchaus üblich."
Vielleicht steht aber auch genau in Bremen schon Amoroso´s Nachfolger unter Vertrag - Ailton. |