Pizarro bereitet den Bayern Kopfzerbrechen   (NRZ vom 28.Februar 2002)

Nach 1:0 über Porto wird der Lebenswandel des Stürmers zum Thema.

Der Regisseur fürs Halbzeitentertainment war in Nöten. Bietet er dem zahlenden Zuschauer auf der Multimediatafel üblicherweise einen erklecklichen Bilderbogen von den Highlights aus den ersten 45 Minuten, so gab´s diesmal nur Magerkost: Gerade mal drei Momentaufnahmen flimmerten über den Großmonitor. Leider erwies sich auch nach dem Schlusspfiff zum 1:0-Sieg des FC Bayern gegen Boavista Porto die dürftige Zwischenbilanz auf der Leinwand als repräsentativ.
Der Sprung ins Viertelfinale der Champions League erscheint realistischer als zuvor, trotzde, offenbarte das Spiel nur wieder eine der weiterhin spannenden Fragen: Kann Stefan Effenberg der Mannschaft auf dem Reststück wirklich noch helfen? "Das muss der Trainer entscheiden", sagte dazu Noch-Vize Karl-Heinz Rummenigge. Nach einer Verteidigungsrede pro Effenberg klang das nicht.
Schwerfällig und weit entfernt von einstiger Impulsgebung, versuchte der Regisseur das Spiel gegen die putzmunteren, harten Südeuropäer anzukurbeln. Und lieferte mehr oder weniger nur ein Zeugnis dafür ab, dass tendenziell er selbst eher durchzuschleppen ist.
Entschieden wurde das Spiel von Roque Santa Cruz, der Kopfballschütze zum 1:0-Sieg in der 81. Minute, war hinterher in aller Munde. Siehe Uli Hoeneß: "Er kann ein sehr guter Fußballer werden, wenn er sich kontinuierlich und vernünftig aufbaut", glaubt der Manager. Vieles spricht dafür, dass der erst 20jährige paraguayische Nationalstürmer solide genug lebt und trainiert, um die Erwartungen einzulösen.
Wichtige Siegtreffer kann ein anderer Südamerikaner im Team der Bayern, nämlich Claudio Pizarro, noch nicht vorweisen. Der 22jährige Peruaner trifft vorzugsweise gegen kleinere Konkurrenz, wie erst gegen Cottbus mit einem Doppelpack. Santa Cruz gegenüber fehlt dem Neuzugang aber offenbar noch etwas anderes, nämlich die Integrationsfähigkeit. Pizarro soll den Bayern-Verantwortlichen viel mehr Kopfzerbrechen bereiten, als seine zwölf Bundesligatore vermuten lassen: Schwebend und unnahbar soll er sein. Manager und Trainer sollen dem leidenschaftlichen Discogänger Pizarro unlängst sogar kräftig den Kopf gewaschen haben.
Gegen Porto traf der in der 61. Minute eingewechselte Claudio den Pfosten (74.). Immerhin etwas. Sagte sich auch der Mann vom Bayern-Kino. Jetzt hatte er etwas für die Schlussaufzeichnung auf seiner Multimediatafel. In der Pause hatte er nämlich zeigen müssen, es war eines der drei "Halbzeit-Highlights", wie Landesvater Edmund Stoiber in der Ehrenloge Platz genommen hatte.