"Luftikus" Pizarro macht Bayern-Bosse froh (Nordwest.net vom 27.August 2002)
Insgesamt 19 Tore in Bundesliga und Champions League erzielte nicht einmal Stürmerstar Giovane Elber in seinem ersten Jahr beim FC Bayern München. Doch trotz dieser Erfolgsquote stand Claudio Pizarro nach seiner ersten Spielzeit beim FC Bayern München heftig in der Kritik. "Er muss mehr tun", forderte Präsident Franz Beckenbauer mehr Engagement von dem 23-jährigen Peruaner, den der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sogar als "Luftikus" bezeichnete. "Er nimmt's zu leicht", erläuterte Beckenbauer. Läuterung durch taktische Umstellung Der Gescholtene scheint sich die Kritik der Bosse zu Herzen genommen zu haben. Seit Saisonbeginn präsentiert sich ein neuer Pizarro im Trikot des Weltpokalsiegers. Der Südamerikaner trifft nicht nur (3 Tore in 3 Spielen), er spielt auch endlich gut. Trainer Ottmar Hitzfeld führte diese Wandlung vor dem Rückspiel der Bayern in der Champions-League-Qualifikation gegen Partizan Belgrad in erster Linie auf eine taktische Veränderung zurück. "Früher hat Claudio sein Potenzial nicht abgerufen, weil er sich nur im Strafraum bewegte. Nun stellt er sich total in den Dienst der Mannschaft. Er muss auch defensive Aufgaben übernehmen und kommt trotzdem zu seinen Torchancen", erläuterte Hitzfeld: "Er sieht ein, dass er mehr für die Mannschaft tun muss." Torjäger-Kanone im Visier Pizarro hat sich mit der neuen Rolle als etwas hängende Spitze hinter Sturmpartner Elber angefreundet. "Ich komme jetzt von weiter hinten. So komme ich besser ins Spiel", sagte er nach dem 3:0-Erfolg am letzten Samstag in Hamburg, bei dem ihm bereits sein insgesamt fünfter Bundesliga-"Doppelpack" für den Rekordmeister gelungen war. Denn das Toreschießen bleibt für ihn nach wie vor das Wichtigste: "Tore sind sehr wichtig für mich, weil ich so mehr Selbstvertrauen bekomme." Denn ein Ziel des Peruaners, der vor einem Jahr für damals 16 Millionen Mark (rund 8 Mio Euro) vom SV Werder Bremen nach München gewechselt war, ist und bleibt der Gewinn der Torjäger-Kanone. Weniger Konkurrenzkampf bringt vorläufigen Stammplatz Nach dem Verkauf von Carsten Jancker und der langfristigen Fußverletzung von Jungstar Roque Santa Cruz ist zudem der gnadenlose Konkurrenzkampf im Bayern-Angriff für Pizarro geringer geworden. Und nach dem erneuten Rückschlag von Mehmet Scholl, der wegen muskulärer Probleme zunächst wieder für zwei Wochen ausfällt, kann sich "Pizza" fürs erste seines Stammplatzes neben dem unumstrittenen Elber sicher sein. Doch bei Hitzfeld spielt der 23-Jährige vorläufig weiter auf Bewährung. "Man hat gesehen, was Claudio kann - vorausgesetzt er will. Aber er darf sich nicht ausruhen. Er muss weiterhin für die Mannschaft spielen und laufen", forderte der Trainer eine dauerhafte Wandlung des "Luftikus".
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