Bayern Münchens Sorgenkind Pizarro trifft   (Die Welt vom 26.August 2002)

Zwei Tore des Peruaners beim 3:0 über den Hamburger SV

Von Armin Grasmuck

Ottmar Hitzfeld wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte. Zwei Minuten vor dem Spielende wechselte der Trainer des FC Bayern seinen Stürmer Claudio Pizarro aus, der von den Münchner Fans mit Beifall verabschiedet wurde. Mit zwei Treffern war der peruanische Nationalspieler hauptverantwortlich für das 3:0 (1:0) beim Hamburger SV. "Claudio hat in den letzten Wochen sehr hart gearbeitet, jetzt erntet er die Früchte", lobte Manager Uli Hoeneß. "Jeder hat gesehen, wie stark er sein kann - wenn er nur will."
Der Fall Pizarro, er scheint sich in Wohlgefallen aufzulösen. Noch vor wenigen Monaten hatten im Kreis der Bayern-Verantwortlichen größte Bedenken bezüglich der Entwicklung des 23-Jährigen vorgeherrscht. Eine mangelhafte Einstellung zum Beruf wurde ihm nachgesagt, er sei ein Luftikus, der gerne nachts um die Häuser zieht. Weshalb Pizarro, der im Sommer 2001 für eine Ablöse von mehr als sieben Millionen Euro aus Bremen gekommen war, den großen Durchbruch nicht geschafft habe - obwohl er in seiner ersten Saison bei Bayern gleich 15 Tore erzielt hatte.
Trainer Hitzfeld erklärte derweil: "Pizarro hat höchstes Lob verdient. Nicht nur wegen der beiden Tore, sondern weil er als hängende Spitze auch viel gearbeitet hat." Wie beim 6:2 vor einer Woche im Heimspiel gegen Bielefeld spielte der Peruaner nicht durchgehend in vorderster Front. In Hamburg stieß er häufig aus dem offensiven Mittelfeld in die Spitze, wich aber auch auf die Flügel aus, wenn die Mitspieler von den Außenbahnen, Hasan Salihamidzic und Ze Roberto, nach innen drängten. "Eigentlich bin ich Stürmer", sagte Pizarro, Spitzname "Pizza", "aber auch diese Rolle macht mir Spaß."
Der Angreifer fügte sich ein ins Kollektiv, ohne dabei an Gefährlichkeit zu verlieren. Als sich die Chancen boten, war "Pizza" eiskalt: Beim 1:0 in der 25. Minute übersprang er Gegenspieler Michael Baur deutlich, sein Kopfball aus elf Metern flog platziert ins rechte Toreck. Fünf Minuten vor dem Schlusspfiff vollendete er einen schnell vorgetragenen Konter über Salihamidzic per Flachschuss zum 2:0. "Ich brauche Tore für mein Selbstvertrauen", erklärte Pizarro. Dreimal hat er in dieser Saison bisher getroffen - und macht damit ausgerechnet seinem Teamkollegen Giovane Elber (vier Treffer) Konkurrenz im Kampf um die Bundesliga-Torjägerkrone.