Hitzfeld erwartet mehr als Tore von Pizarro (dpa vom 26.Februar 2002)
Claudio Pizarro hat sich beim FC Bayern München mit seinen Toren in Windeseile einen Namen als «Mister Doppelpack» gemacht. Aber richtig glücklich geworden ist der Torjäger aus Peru beim Fußball-Weltpokalsieger noch nicht. «Es lief bislang nicht ganz gut, aber es geht», lautet das zwiespältige Fazit des erst 23 Jahre alten Vollblutstürmers nach knapp acht Monaten in München. An der Treffer-Quote des Torjägers in seiner ersten Saison beim deutschen Rekordmeister gibt es wenig auszusetzen: Mit 12 Toren liegt er in der Bundesliga-Torschützenliste gleichauf mit Teamkollege Giovane Elber und dem Dortmunder Marcio Amoroso aussichtsreich auf Platz zwei hinter dem Leverkusener Nationalspieler Michael Ballack (13). «Torschützenkönig zu werden, ist aber nicht mein erstes Ziel. Mein Ziel sind Titel mit dem FC Bayern», bemerkte Pizarro, der in der vergangenen Saison 19 Mal für Werder Bremen getroffen hatte. Zwei Dinge zeichnen den 8,5 Millionen Euro teuren Neuzugang aus Bremen besonders aus: Kein anderer Bundesliga-Profi ist so kopfballstark wie er (6 Tore), und keiner trifft so häufig doppelt. Schon vier «Doppelpacks» stehen in der Meisterschaft zu Buche, und auch seine zwei Tore in der Champions League, die er bis zum Heimspiel gegen Boavista Porto erzielt hatte, machte Pizarro in einem Spiel (5:1 gegen Moskau). Trotz dieser positiven Werte musste sich Pizarro in letzter Zeit harte Kritik von Trainer Ottmar Hitzfeld gefallen lassen. «Wenn man nur 70 statt 100 Prozent seines Potenzials abruft, reicht das nicht», monierte der Coach während der Winterpause. Und nach dem 6:0-Erfolg am vergangenen Samstag gegen Energie Cottbus, bei dem sich Pizarro eindrucksvoll mit zwei Treffern aus seinem Formtief zurück gemeldet hatte, mochte ihm Hitzfeld lediglich «Fortschritte» attestieren. «Claudio hat gedacht, es geht einfacher beim FC Bayern», mäkelte Hitzfeld stattdessen erneut an der Einstellung des Südamerikaners herum. «Er muss mehr europäisch denken», äußerte der Coach jüngst in einem «kicker»-Interview und empfahl Pizarro, sich «Giovane Elber zum Vorbild zu nehmen». Doch davon hält Pizarro «nix», wie er recht entrüstet bemerkte: «Giovane ist ein guter Spieler. Er hat seine Qualitäten, ich meine.» Elber kam übrigens in seiner ersten Bundesliga-Saison beim FC Bayern nicht über 11 Tore hinaus. Die beiden Ballzauberer könnten zusammen zum Traumsturm der Bundesliga avancieren. «Die Zwei alleine haben 24 Tore geschossen», bemerkte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge stolz. Die Millionen für Pizarro waren zweifellos eine lohnende Investition für den Rekordmeistes. Rummenigge sieht Pizarro inzwischen wieder auf einem guten Weg: «Er hat mehr Biss gezeigt. Es ist ganz wichtig für uns, dass ein Spieler wie Pizarro zurück ist. Man hat gegen Cottbus gesehen, dass er jetzt richtig kommt.»
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