Ailton: Nächste Woche trifft er die Wüstensöhne   (Kreiszeitung vom 25.Februar 2004)

Werder-Stürmer bestätigt: "Ich überlege, für Katar zu spielen" / WM als Anreiz

Von Arne Flügge

Ailton will Nationalspieler werden. Für sein Heimatland Brasilien wird er es nicht mehr. Das wurde Werder Bremens Stürmer unlängst mitgeteilt. Nun, damit ist der 30-Jährige frei auf dem (Länder-)Markt zu haben. Schließlich hat er noch kein Länderspiel bestritten. Nachdem Ailton sich schon bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Gespräch gebracht und DFB-Teamchef Rudi Völler ihn höflich abgelehnt hatte, buhlt nun der Wüstenstaat Katar um die Dienste des Bundesliga-Top-Torjägers. Nur ein PR-Gag? Denkste! "Das ist kein Spaß. Mir liegt ein Angebot vor. Ich überlege ernsthaft, für Katar zu spielen", bestätigte Ailton gestern die Offerte Katars.
Vermutlich wird "Toni" schon in den kommenden Tagen eine Entscheidung fällen. "Ich werde mich in der nächsten Woche mit den Verantwortlichen von Katar treffen", kündigte Ailton an. Angeblich wollen es sich die Wüstensöhne eine Million Euro kosten lassen, wenn Ailton die Staatsbürgerschaft Katars annimmt. Dazu käme noch einmal ein Jahresgehalt von 400 000 Euro. Zahlen, die der Bremer Angreifer - natürlich - nicht bestätigen wollte. Viel mehr beteuerte er: "Es geht mir dabei gar nicht in erster Linie ums Geld. Mein Traum war es immer, für Brasilien zu spielen. Doch der Nationaltrainer hat gesagt, dass ich zu alt bin. Obwohl ich in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen schieße. Das kann ich nicht verstehen. Darum möchte ich jetzt für ein anderes Land stürmen."
Ailton schmollt, scheint sich auf diese Weise an Brasiliens Coach Carlos Alberto Parreira rächen zu wollen. Aber ausgerechnet Katar? "Warum nicht", entgegnet Ailton: "Das Land ist sehr ambitioniert. Sie spielen die WM-Qualifikation. Das ist für mich ein großer Anreiz. Es wäre doch toll, mit Katar 2006 die WM in Deutschland zu spielen", schwärmt Ailton. Wobei er "tief in meinem Herzen natürlich immer Brasilianer bleiben" wird.
Ailton - ein Brasilianer soll Katar zur Weltmeisterschaft schießen. So recht glauben mag man's eigentlich nicht. Schon desöfteren erwiesen sich die Pläne des Kugelblitzes als Träumereien. Jüngstes Beispiel: Ailton kündigte an, im Falle der Meisterschaft seine Freundin Rosalie im Weserstadion zu heiraten. Und musste zwei Tage später einräumen: "Sorry, nur ein Scherz."
Allerdings scheint das Interesse der Verantwortlichen Katars vermutlich echt. "Auch mir ist bekannt, dass es eine Anfrage an Ailton gibt. Mit mir haben die Verantwortlichen aber nicht gesprochen. Von daher weiß ich nicht, wie seriös das Ganze ist", erklärte Klaus Allofs. Bremens Sportdirektor würde sich im Fall der Fälle aus dem Entscheidungsprozess jedoch heraushalten: "Ich kann da keine Ratschläge geben. Das muss jeder für sich selbst entscheiden."
Ganz wohl ist Allofs aber scheinbar nicht bei der Sache. Abstellungen Ailtons zur Nationalmannschaft Katars noch in dieser Saison könnten die gemeinsamen Ziele gefährden. Daher fordert der 47-Jährige von seinem Stürmerstar, jetzt das Wesentliche nicht zu vergessen. "Als Angestellter Werders hat sich Toni in dieser wichtigen Phase der Meisterschaft weiterhin voll und ganz auf die Bundesliga zu konzentrieren. Er darf sich nicht von irgendwelchen Dingen ablenken lassen."
Ein Gefahr, vor der man sich auch in Gelsenkirchen fürchtet. Die Pläne Ailtons, für Katar zu stürmen, stoßen bei dessen künftigem Arbeitgeber Schalke 04 sauer auf. Manager Rudi Assauer: "Das passt uns überhaupt nicht. Ailton hat noch nicht mal mit uns darüber gesprochen. Es liegt in unserem Interesse, dass die Sache mit Katar nicht stattfindet."
Ailtons Antwort kam prompt und unmissverständlich: "Das geht Herrn Assauer gar nichts an, sondern nur mich und meine Familie. Die Entscheidung treffe ich nächste Woche - ganz allein!"