|
Azubi statt Superstar (Merkur Online vom 25.Februar 2002) Bei Pizarro stellen sich erste Lernerfolge ein
Spielstand: 5:0. Spielminute: 83. Der Gegner: Cottbus. Das sind an und für sich keine Rahmenbedingungen, bei denen noch großer Einsatz verlangt werden kann. Claudio Pizarro grätschte auf Höhe der Mittellinie dennoch einem Pass seines Teamkollegen Bixente Lizarazu hinterher, um zu verhindern, dass der Ball über die Seitenlinie trudelt. Die Aktion gelang, Pizarro setzt sich noch gegen einen Cottbuser durch und leitete mit klugem Pass einen Angriff ein. Szenen-Applaus.
Der Einsatz des Stürmers für seinen französischen Kollegen wird Ottmar Hitzfeld ähnlich nachhaltig wie dessen zwei Tore in Erinnerung bleiben. Zu viel hat sich der Bayern-Coach in den letzten Monaten über ihn ärgern müssen. Pizarro hatte im ersten Saisonviertel zehn Tore erzielt, doch dann drängte sich der Verdacht auf, dass der traumhafte Einstand eher leistungshemmend wirkte. Der 23-Jährige spielte erst eigensinnig und überheblich, als habe er schon alles erreicht, dann, in der Konsequenz, immer weniger. "Er ruft nur 70 Prozent ab, sollte sich mal ein Beispiel an Elber nehmen", moserte Hitzfeld. Botschaft: Noch ist Pizarro Azubi in München, noch ist er kein Superstar. Gegen Cottbus stellten sich nun erste Lernerfolge ein. Pizarro traf zweimal nach sieben Spielen Ladehemmung, bereitete einen Treffer vor und rackerte auch nach hinten. "Scholl und Pizarro waren die Besten", fand Vize Karl-Heinz Rummenigge, "man hat gesehen, dass Pizarro wieder da ist." Wenn er so weitermacht, dürfte das mit dem Superstar ganz von allein kommen.
Andreas Werner
|