Wieso Ailton das Tor nicht mehr trifft . . . (Kreiszeitung vom 23.April 2003)
Private Sorgen oder eine ganz normale Krise? / Trainer Schaaf: "Auch das geht vorbei..."
Gestern Morgen, 10.00 Uhr, Trainingsplatz des SV Werder. Alle verfügbaren Spieler sind anwesend. Nur Ailton fehlt. Der Brasilianer kommt wenige Minuten später angetrabt, begrüßt Trainer Thomas Schaaf, läuft sich warm, trainiert mit. "Er hatte eine private Angelegenheit zu erledigen. Es war abgesprochen, dass er etwas später kommt", erklärt Schaaf. Thema erledigt! Oder doch nicht? Denn die privaten Angelegenheiten des Torjägers werden für Werder Bremen langsam zum Problem. Seitdem Ailton nach einer Handgreiflichkeit von seiner Freundin Rosalie verlassen wurde, steckt er fußballerisch in der Krise. Jüngster Beweis: Die zwei vergebenen Großchancen gegen Wolfsburg. Thomas Schaaf hat die Lage erkannt, will die Ladehemmung des 29-Jährigen (seit 345 Minuten ohne Tor) aber "nicht ausschließlich" an der privaten Situation festmachen: "Wir haben es doch schon öfter gehabt, dass ein Stürmer länger nicht trifft. Auch das geht vorbei. Toni ist schließlich ein Guter." Aber auch "ein emotioneller Mensch, der vielen Schwankungen unterworfen ist", wie Schaaf selbst zugibt: "Wenn einen etwas bedrückt, läuft's eben nicht so locker wie sonst." Werder ist klar, dass Ailton eine schlimme Zeit durchmacht. Rosalie ist immer noch in Mexiko, wird auch (wenn überhaupt) nicht vor Saisonende zurückkehren. Das setzt Ailton zu. Und Werder leistet ihm bei der Bewältigung seiner Probleme Hilfestellung, wo es nur geht. Unter anderem mit ganz viel Rückendeckung. So hielt der ganze Verein schützend die Hand über den Brasilianer, als der nach dem Dortmund-Spiel einfach nicht beim Training erschien. Intern wurde zwar Tacheles geredet, nach außen aber Ruhe bewahrt. "Wir müssen gucken, wie wir ihm helfen können", so Schaaf. Damit Ailton ganz schnell wieder trifft.
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