Ailton, Schaaf und die ganz persönliche Videostunde (Bericht vom 19.Oktober 2001)
Werders Trainer nimmt sich für Brasilianer viel Zeit / Neuerliche Kritik an Silva
Von Arne Flügge Ailton - der südamerikanische "Kugelblitz" des SV Werder ist für sein Temperament bekannt. Und dafür, dass dieses öfter mal mit ihm durchgeht. Am Montag hatte der Stürmer gegenüber unserer Zeitung seinen Unmut geäußert, erneut ausgewechselt worden zu sein. Sauer sei er gewesen, und er spiele gar mit dem Gedanken, Werder verlassen zu wollen. Äußerungen, die man gerade bei Ailton nicht immer gleich in die Waagschale legen aber auch nicht als Unsinn abtun sollte. "Toni ist sicherlich noch ein wenig naiv", erklärte gestern Bremens Sportdirektor Klaus Allofs, und gab seinem Brasilianer mit auf den Weg, in Zukunft noch besser deutsch zu lernen: "Er kann häufig das, was er rüberbringen will noch nicht so ausdrücken, wie er möchte. Und das kann dann leicht zu Missverständnissen führen", meinte Allofs, der seinen Spieler aber nicht gänzlich aus der Schusslinie nehmen wollte: "Trotz seines Temperamentes muss Ailton dafür sorgen, dass eventuelle Missverständnisse gar nicht erst aufkommen." Trainer Thomas Schaaf nahm sich in der Woche seinen Stürmer zur Brust. Nicht aber etwa, um ihn wegen seiner Frust-Aussagen zu maßregeln. Vielmehr zeigte der 40-Jährige dem Brasilianer Ailton anhand von Videobildern auf, was ihm noch fehlt und warum Schaaf ihn in Hamburg und auch gegen Nürnberg ausgewechselt hat. "Wir haben uns zusammengesetzt, und ich habe ihm alles erklärt. Mir hat seine Leistung nicht geschmeckt", erklärte Schaaf. Nach dieser Vier-Augen-Analyse sei die Situation jetzt geklärt. "Er hat es verstanden", hofft Schaaf. Der Bremer Trainer fordert vor allem mehr Laufarbeit für die Mannschaft von seinem Angreifer. "Ich habe Toni gesagt, dass wir ihn und seine Qualitäten brauchen. Ich habe ihm aber auch gesagt, dass er sich noch mehr einbringen muss, um seine Teamkollegen zu unterstützen", fuhr Schaaf fort: "Wenn Toni nicht mehr jeden Weg macht, müssen andere diesen für ihn gehen. Das kostet Kraft. Und die fehlt dann den Kollegen, wie zum Beispiel Marco Bode, wenn sie in entscheidenden Szenen gebraucht wird."
Während die Meinungsverschiedenheiten mit Ailton nun ausgeräumt scheinen und wohl nur ein kurzfristiges Störfeuer waren, könnte ein weiterer Stürmer zu einem langfristigen Problem werden: Roberto Silva. Am vergangenen Sonnabend aus dem Kader für das Spiel gegen Nürnberg geflogen, dürfte der Peruaner auch gegen Hertha nicht nominiert werden. Sportdirektor Klaus Allofs: "Fakt ist, dass sich Roberto noch nicht durchgesetzt hat." Dagegen macht Allofs hinter dem Namen Ivan Klasnic ein Häkchen: "Ivan hat zwar noch nicht konstant gezeigt, was er kann, doch immer wenn er eingewechselt wird, passiert etwas." Aussagen, die Trainer Thomas Schaaf kopfnickend bestätigte: "Roberto Silva fehlt noch die Einbindung seiner Qualitäten", so Schaaf. Der Coach fordert von seinem Neuen, seinen Körper mehr einzubringen, sich in den Zweikämpfen zu behaupten, Bälle zu halten und abzuschirmen. "Das sind alles Dinge, die nicht so funktionieren, wie ich mir das vorstelle", erläuterte Schaaf. Wie lange Werder noch Geduld mit Silva hat, wollen weder Schaaf noch Klaus Allofs terminieren. Fest steht: Irgendwann sind die Bremer mit dieser Geduld einmal am Ende. Und dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Silva ausleihen oder wieder verkaufen. Klaus Allofs: "So weit sind wir aber noch lange nicht."
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