Pizarro: In Bremen traf er alle, bei Bayern trifft er alles   (Sport Bild vom 14.November 2001)

Am Sonnabend kommt es in Bremen zu einem Wiedersehen der besonderen Art: Claudio Pizarro (23) kehrt ins Weserstadion zurück. Zwei Jahre stand der Peruaner bei Werder für südamerikanische Spielkunst, Tricks und Tore. Insgesamt 30 Treffer in 56 Ligaspielen erzielte Claudio für die Bremer. Diese Quote ist schwer zu toppen", räumt Bremens Trainer Thomas Schaaf wehmütig ein.
Wie werden die Fans wohl reagieren? Haben sie ihm den Wechsel zum ewigen Erzrivalen Bayern München verziehen? Oder wird Pizarro mit einem gnadenlosen Pfeifkonzert empfangen?
Nein, wird er nicht! Denn die Bremer haben Claudio fest in ihr Herz geschlossen. Und das heißt bei den sturen Norddeutschen: einmal Freund, immer Freund. So war es auch 1996 bei Andi Herzog, als er mit den Bayern ins Weserstadion kam. Die Bremer Zuschauer hatten nicht die vielen schönen Stunden mit dem Österreicher vergessen. Auch Herzog nicht. Darum kehrte er zu Werder zurück, ist heute aber auch nicht mehr glücklich....
Doch damals wurde Herzilein beklatscht und bejubelt. Darum sagt Werders Fanbeauftragter Dieter Zeiffer: Auch wenn Claudio zu den Bayern gegangen ist  wir werden nie vergessen, wie viel Freude er uns gemacht hat."
Aber nicht nur auf dem Platz ließ es der Peruaner gerne krachen. In seinen zwei Jahren brachte er es auf ein beachtliches Vorstrafenregister" als Disko-Gänger. Fast legendär seine Spritztour nach einem Ligaspiel bei 1860 München. Pizarro lag mit fiebriger Grippe krankgeschrieben im Hotel. Doch kaum wieder zurück in Bremen, zog er abend trotzdem um die Häuser. Die nächtliche Aktion flog auf und kostete ihm 10000 Mark Geldstrafe. Es blieb nicht die einzige Eskapade, Werders Vorstandsmitglieder mussten häufiger Erziehungsberater spielen. Als Pizarro im Sommer zu Bayern wechselte, prophezeiten die Bremer Profis: Uli Hoeneß kann schon mal die Detektive bestellen." So wie damals bei Mario Basler.
Eine Fehleinschätzung. Mit seinem Wechsel zum Rekordmeister scheint Pizarro auch einen Lebenswandel vollzogen zu haben. Zum einen trägt Claudio jetzt privat mehr Verantwortung: Im Juli brachte Ehefrau Karla das zweite Kind zur Welt. Zum anderen sagt Pizarro mit einem Augenzwinkern: Der Trainer passt immer so gut auf..."
Das hören die Bayern gerne. Zwar zögerten sie lange, denn auch Barbarez stand auf der Wunschliste. Dann aber nahmen sie den Dreikampf um Pizarro mit Inter Mailand und Real Madrid auf, gewannen ihn und schwärmen heute in höchsten Tönen von Pizarro. Claudio ist einer der besten Transfers, die wir je gemacht haben", so Hoeneß. Und Hitzfeld lobt: Er gibt nie auf, ist hungrig auf Erfolg. Vor dem Tor ist Claudio ein echter Killer."
Man könnte auch sagen: In Bremen traf er (nachts) alle, bei Bayern trifft er (samstags) alles. Das belegen die Zahlen der ran"-Datenbank eindrucksvoll: Pizarro ist der Allround-Torjäger der Liga. Von seinen acht Toren machte er zwei mit links, drei mit rechts und drei mit dem Kopf. Mit nur 31 Torschüssen kommt er auf einen Trefferquotienten von 3,9 und ist damit effektivster Bayern-Stürmer (vor Elber). Vier der acht Saisontreffer erzielte er auswärts  das schaffte sonst nur Leverkusens Ulf Kirsten.
Beachtlich außerdem: Obwohl als Stürmer verpflichtet, bestreitet Pizarro die meisten Zweikämpfe aller Bayern-Spieler! Der Grund seines großen Laufpensums: Pizarro spielte in seiner Heimat oft in der Höhenluft der Anden, hat dadurch extrem gute Ausdauerwerte.
Der Peruaner ist auf dem Weg zum absoluten Weltklasse-Stürmer. Das darf er ruhig mal ein bisschen feiern. Zum Beispiel am Samstag in Bremen. Wäre ja ein Heimspiel...