Der Klassiker: Max Merkel testet die Bundesliga
Werders Glück entscheidet sich in Ailtons Schlafzimmer (Bild vom 14.Juli 2003)
Von MAX MERKEL
Bei Werder Bremen denk ich zuerst an Ailton. So ein bunter Vogel braucht auch ein buntes Trikot. Das neue ist grün und orange, doch ich bleibe dabei: In Bremen sticht nur Ailton ins Auge. Apropos Stich: Wenn sich einer für "007" hält, weil er den einen oder anderen Ball ins Tor schießt von mir aus. Solange er nicht als "James Bond" ins Bremer Telefonbuch will... Die Lizenz zum Nerven hat 00-Ailton" in jedem Fall. Der Kerl kommt grundsätzlich ein paar Tage zu spät aus dem Urlaub. Da kriegen sie bei Werder einen dicken Hals. Ailton hat gar keinen sein Kopf ist direkt auf den Körper montiert. Dafür trägt der Liebling aller Juweliere eine Goldkette, so dick wie ein Abschleppseil. Und er trägt das Bremer Spiel. Heißt: Wenn Ailton vorne Buden macht, ist Werder bei der Musik dabei. So wie in der letzten Hinrunde, als Bremen mit 13 Ailton-Toren auf Champions-League-Kurs lag. In der Rückrunde lief nur noch die Nase von Schaaf. Bei TV-Interviews mit dem Trainer denke ich ans Sandmännchen: Mit Schaaf in den Schlaf. Zweimal Platz 6, auch zum Einschlafen. Ailton dagegen macht sich nachts fit. Er sagt: "Ich brauche Sex vorm Spiel." Gesund ist das, mein Freund. Mehr noch: Werders Glück entscheidet sich in Ailtons Schlafzimmer... Ailton und seine Rosalie ob sie sich lieb haben, das weißt' bei denen nie. Mal ist Küssi, Küssi und Umarmung. Mal Ringkampf mit Abklatschen. Einmal ist Ailtons mexikanische Schönheitskönigin sogar vor Wut aus Bremen getürmt. Und Ailton hatte Los Wochos", seine Durchhänger-Wochen. Jetzt ist Rosalie wieder da. Und Ailton findet in der Vorbereitung die Bude wieder. Apropos Bude: Bremens Borel war laut ran-Datenbank die schlechteste Nummer 1 der Liga. Torwart ist sein Zweitberuf. Sonst ist er Flugschüler. Sportchef Allofs fand als neuen Torwart Andreas Reinke, Ex-Lauterer, zuletzt bei Spaniens Aufsteiger Murcia. Sparsam und vielseitig. Reinke fuhr die 3000 Kilometer von Murcia nach Bremen in seinem VW-Bus. Den Busfahrer könnte er bei Werder auch noch machen. Echtes Schnäppchen! Mit einem neuen Griechen (nach Charisteas) wollte Otto Rehhagel seine Bremer Freunde versorgen. Doch dieser Seitaridis sollte drei Millionen kosten. Das ist nichts für Allofs. Der kann für Neue nur Nüsse ausgeben. Also haben sie sich einen Türken ausgeliehen. Ümit Davala, wir kennen ihn von der letzten WM als Renner mit Irokesen-Bürste. Jetzt trägt er das Haar länger und in Bremen das Trikot mit der Nummer 5. Gehörte früher Grätschen-König Dieter Eilts. Vor dessen Friseur kann ich Davala nur warnen. Der Schnitt heißt: Einmal ab um die Ohren. Die Werder-Prognose lautet: Wieder knapp am UEFA-Cup vorbei. |