Ohne Ailton ins Trainingslager   (Kreiszeitung vom 12.Januar 2004)

Torjäger verletzt: Sporthep statt Belek / Auch Valdez fährt nicht mit / Erinnerungen an 2003 . . .

Von Carsten Sander

Eine reibungslose Vorbereitung hatten sich Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs für den SV Werder gewünscht. Ohne Kranke, ohne Verletzte. Doch seit dem vergangenen Wochenende wissen beide, dass es beim Wunsch bleibt. Denn der Abflug ins Trainingslager erfolgt heute ohne Torjäger Ailton und ohne Nelson Valdez. Ailton zog sich beim Test in Kerkrade (1:2/siehe Bericht unten) einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu, Valdez muss wegen einer starken Bronchitis passen.
Beide sollen zwar - wenn es die Umstände erlauben - nachkommen, doch speziell in der Angelegenheit Ailton scheint das fast unmöglich. Zehn bis 14 Tage Pause sind bei einem Muskelfaserriss normal. Was bedeuten würde, dass selbst ein Einsatz am 31. Januar zum Rückrundenstart gegen Hertha BSC Berlin fraglich ist. "Diese Verletzung ist ärgerlich, wird uns aber nicht aus der Bahn werfen", erklärte Sportdirektor Klaus Allofs.
Das allerdings ist wieder so einer dieser Wünsche, von denen niemand weiß, ob sie in Erfüllung gehen werden. Im vergangenen Jahr erwies sich der Bremer Teamapparat nämlich sehr störungsanfällig. Weil sich unter anderem Johan Micoud und Mladen Krstajic nicht hundertprozentig auf die Rückrunde vorbereiten konnten, lief's nach der Winterpause überhaupt nicht. Werder stürzte von Rang zwei auf Platz sieben. Ähnliches will der Herbstmeister in diesem Jahr natürlich unter allen Umständen vermeiden. Eine schnelle Rückkehr zur spielerischen Harmonie der Hinrunde wäre deshalb wünschenswert. Mit Ailton fehlt aber einer der wichtigsten Bausteine des Bremer Erfolgsensembles. Er muss im Bremer "Sporthep" ein spezielles Reha-Programm absolvieren, während sich der Rest der Truppe im türkischen Belek auf die kommenden Aufgaben einschwört.
Um 11.45 Uhr geht's heute vom Hamburger Flughafen gen Antalya und von dort per Bus ins circa 45 Kilometer entfernte Arcadia Golf Resort von Belek - einem Fünf-Sterne-Urlaubshotel mit 473 Zimmern und einem Fußball-Platz. Der ist bis zum 21. Januar exklusiv für den SV Werder reserviert.
Vor den Bremern liegen also neun Tage, in denen Coach Thomas Schaaf "noch engagierter und noch disziplinierter" als in den letzten Jahren mit der Mannschaft arbeiten will. Was wohl heißt: Es darf geschwitzt werden.
Aber nicht nur das. Mindestens genau so viel Wert wie auf das Konditions- und Krafttraining wird Schaaf auf die Feinabstimmung legen. "Viel spielen" ist sein Motto für die Zeit in Belek. Vier Partien sind für die ersten vier Tage angesetzt, damit der Werder-Motor (Ailton hin oder her) nicht wieder so lange stottert wie im Jahr zuvor. Sechs Spiele Anlauf brauchte der Champions-League-Anwärter damals bis zum ersten Sieg in der Rückrunde - das internationale Geschäft war futsch.