Strafe für Schalke?   (Bremer Nachrichten vom 10.Oktober 2003)

Werder erwartet DFL-Ermittlungen / Ailton: Ich will bis Sommer bleiben

Von unserem Redakteur
Olaf Dorow

Bremen. Vor dem Weserstadion steht der Porsche von Ailton. Kennzeichen: HB-LA 404. Welch ein Zufall, dass diesen Ziffern nun quasi ein Sinn verliehen wurde. Mehr als vier Millionen Gehalt bei 04. Es dauerte eine halbe Stunde", sagte Ailton gestern. Dann war der Vertrag unterschrieben, der ihm (jährlich) 4,5 Millionen Euro Schalke-Geld zusichert.
Die Angelegenheit, die halb Bremen in Aufregung versetzt, könnte ein Nachspiel haben. Laut der DFL-Lizenzordnung für Spieler (LOS) muss ein Verein, der einen Spieler verpflichten will, dessen Vertrag bei einem anderen Verein noch läuft, bei Aufnahme von konkreten Verhandlungen diesen Verein informieren. Das ist im Fall Ailton nicht passiert", sagt Werders Sportdirektor Klaus Allofs, Schalke hat sich nicht statutengerecht verhalten."
Angeblich hat Rudi Assauer am vergangenen Sonntag im Marriott-Hotel alles geregelt mit dem Stürmer. Zuvor saß der Schalke-Manager im Weserstadion auf der Tribüne. Eine Zeit lang saß ich neben ihm", sagt Werder-Vorständler Manfred Müller, er hat nichts über Verhandlungen mit Toni gesagt."
Nun denkt Werder über Konsequenzen und eine offizielle Beschwerde bei der DFL nach. Sollte der Liga-Verband ermitteln und sollte er dabei tatsächlich ein Verstoß gegen die LOS" herauskommen, würde Schalke bestraft. Mit den Summen aus Ailtons neuem Vertrag und auch nicht aus seinem alten Vertrag kann der Strafenkatalog der DFL nicht ganz mithalten. Geschäftsführer Heribert Bruchhagen berichtet von acht Stufen: Es reicht von Abmahnung bis 250000 Euro." Das ist, vergleichsweise, wenig. Zudem meldet sich aus Gelsenkirchen Rudi Assauer mit reinem Gewissen: Wir haben uns absolut korrekt verhalten."
In Bremen sieht man das anders und fragt sich, wieso eigentlich ausgerechnet Assauer nicht den hochoffiziellen Weg wählte und gleich am Sonntag auf der Tribüne seinem Kollegen Müller berichtete, dass er Ailton viereinhalb Millionen bieten möchte? Im Ergebnis wäre Toni auch dann nach Gelsenkirchen gewechselt. Die Bremer Schmerzgrenze lag bei rund 2,3 Millionen.
Er sei nicht wegen des Geldes gewechselt, sagte Ailton gestern auf einer Pressekonferenz im Weserstadion. Im Verlauf dieser Dreiviertelstunde bevölkerten immer mehr Schweißperlen seine Stirn. Irgendwann räumte er ein, dass ja wohl alle ans Geld denken und fragte: Warum ich nicht?" Er müsse an seine Familie denken, er werde im Sommer 31, es sei sein letzter Vertrag. Die Entscheidung gegen Bremen sei ihm sehr schwer gefallen". Die Reporter dachten an jene halbe Stunde im Marriott. Manch einer dachte daran, dass Ailtons neuer Berater den Stürmer lange auch in Dortmund und Leverkusen feilbot. Aus Piräus und Genua lagen zudem Angebote vor.
Ich konnte nicht länger warten", wiederholte Ailton immer wieder. Niemand wisse, was morgen sein wird". Morgen oder übermorgen könnte passieren, dass er dauernd, was ja mal vorkam, ins Abseits rennt oder nicht trifft. Dann würde Assauer vielleicht keine 4,5 Mio. bieten und Toni müsste womöglich mit den bescheidenen Bremer 2,3 Mio. vorlieb nehmen. Er fühle sich ein wenig vom Helden zum Raffzahn gestempelt, sagt er, aber es weiß doch niemand, was wirklich war zwischen Werder und mir." Was? Darüber möchte ich nicht reden."
Er redete dann aber noch etwas ausführlicher über seine Verweildauer in Bremen. Ich möchte meinen Vertrag erfüllen." Es liege nun an den Vereinen, ob es dazu tatsächlich kommt. Werder beteuerte gestern ein weiteres Mal, dass man nicht daran denke, Ailton schon im Winter an den FC Schalke abzugeben, um wenigstens noch eine kleine Ablösesumme zu retten. Auch im Fall Mladen Krstajic sei dies so.
Denn was wäre eine kleine Ablösesumme gegen die große Chance auf Champions-League-Millionen? Wäre da bloß nicht der alte Spruch, dass im Fußball alles so schnell gehen kann. Schneller als ein Sprint von Ailton. Schneller als Ailtons Porsche.