Ailton setzt weiter auf Katar   (Kreiszeitung vom 10.März 2004)

Wüstentrip ohne Unterschrift beendet

Von Björn Knips

Bereitwillig und gut gelaunt schrieb er immer wieder seinen Namen. Das war gestern - daheim in Bremen. Was Ailton auf Trikots und Postern leicht von der Hand ging, hatte er tags zuvor noch abgelehnt: Der Vertrag mit dem Fußball-Verband von Katar (QFA) und das Einbürgerungsdokument blieben ohne seine Unterschrift. Doch das soll sich schon bald ändern. "Eigentlich ist alles klar mit Katar. Es geht nur noch um einige technische Details. Uns fehlte gestern am Ende einfach die Zeit. Ich werde für Katar spielen", erklärte der Brasilianer.
Bereits in der nächsten Woche soll Vollzug vermeldet werden. "Es kommen Vertreter aus Katar nach Bremen, und dann unterschreiben ich", kündigte Ailton gestern an. Er wurde in Doha von den Ex-Bundesliga-Trainern und Katar-Kennern Uli Maslo und Wolfgang Sidka beraten. Manfred Höner, Technischer Direktor beim QFA, bestätigte, dass die Verhandlungen kurz vor einem positiven Abschluss stünden: "Wir sind uns einig."
Zum Salär für seinen Wechsel in die Wüste (angeblich zwei Millionen Euro) wollte sich Ailton ebenso wenig äußern wie zum Stand der Verhandlungen seiner Landsleute Dede und Leandro. Dafür aber zur Laufzeit seines Vertrages: "Ich werde zwei Asien-Cups und zwei WM-Qualifikationen spielen." Das macht zusammen sechs Jahre.
Ob der 30-Jährige allerdings schon am 31. März beim WM-Qualifikationsspiel in Jordanien das Trikot des Wüstenstaates tragen wird, ist noch unklar. Und zwar nicht aus vertragstechnischen Gründen. "Dieses Spiel liegt genau in der entscheidenden Phase um die Deutsche Meisterschaft. Das ist natürlich nicht so gut", meinte Ailton. Der Torjäger hat eben gelernt, wie er seinen Arbeitgeber bei Laune hält.
Und das nicht nur mit gut gemeinten Aussagen. So eilte er gestern morgen schnellen Schrittes durch die Ankunftshalle des Bremer Airports, war wie auf dem Platz durch nichts und niemanden aufzuhalten. Der "Kugelblitz" hatte es eilig, wollte nach seinem Katar-Abenteuer so schnell wie möglich zum Training. Um 9.46 Uhr war er gelandet, 18 Minuten später stand er schon in Arbeitskleidung auf dem Platz. Das Aufwärmprogramm der Kollegen hatte er zwar verpasst, doch das war schnell nachgeholt. Und um 10.26 Uhr hatte er im Trainingsspielchen schon ins Tor getroffen. Damit aber nicht genug: Binnen zehn Minuten legte Ailton noch viermal nach. Soviel zum Thema Reisestrapazen.
Ganz spurlos war das Wüsten-Abenteuer aber dann doch nicht am Werder-Profi vorbeigegangen. "Das war wirklich eine interessante Reise. Katar gefällt mir gut, das ist dort alles sehr modern und sauber. Und schön warm ist es auch. Aber jetzt bin ich wirklich sehr müde und will nur noch schlafen", meinte ein frierender Ailton.
Wenn er wieder aufwacht, möchte am liebsten nichts mehr vom Thema Katar hören. "Das muss jetzt raus aus meinem Kopf, jetzt zählt für mich nur noch das Bundesliga-Spiel am Samstag gegen Köln und das Pokalspiel am Dienstag gegen Lübeck."
Und danach kommen die Scheichs zur "Autogrammjagd" nach Bremen