Brasilianer hofft auf einen Start-Platz
Ailton im Kommen   (Kicker vom 9.September 2002)

Näher als alle anderen durfte Ailton (29) in den vergangenen Tagen den neuen Kollegen im Werder-Trikot kennenlernen. Während für den Rest des Teams, Nationalspieler ausgenommen, auch einmal ausgedehntere Freizeit auf dem Programm stand, absolvierte Johan Micoud (29) Zusatzschichten. Schließlich gilt es für den französischen Regisseur möglichst rasch die Rückstände aufzuholen, die sich aus der jüngeren Vergangenheit ergeben. Statt regelmäßigen Trainings bestimmten da nämlich Verhandlungsrunden Micouds Tagesablauf, um den Abschied vom AC Parma in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wann immer Micoud jetzt in seiner neuen Wahlheimat das Grün betrat, wich einer nicht von seiner Seite: Ailton. Denn der Brasilianer - freilich ohne nachvollziehbare Gründe - hatte die Vorbereitung ebenfalls schleifen lassen. Das nun folgende Sondertraining absolvierte der notorische Luftikus auf sanften Druck hin, wie Trainer Thomas Schaaf durchblicken lässt: "Für ihn und für uns war klar, dass diese Maßnahme förderlich ist."
"Im Kommen" sei Ailton nun, was seine körperliche Verfassung angeht, so Schaaf. Auch Micoud sei "rein konditionell auf der Höhe, allerdings fehlt ihm natürlich noch die Praxis." Schaafs Ankündigung: "Johan wird gegen Nürnberg spielen. Wie lange, das ergibt sich aus dem Spiel heraus." Derweil könnte sich die besondere Liaison des Südamerikaners mit dem Franzosen auf Dauer nicht nur unter dem Aspekt der Fitness als Gewinn für die Hanseaten erweisen. Das jedenfalls malt sich Ailton erklärtermaßen aus: "Micouds Art auf dem Platz ist gut für mich", erklärt der schnelle Angreifer. "Er liebt den langen Pass und bevorzugt das schnelle Spiel, was meinen Qualitäten entgegen kommt."
Dass Werder auf diese, wenn Ailton sie denn zum Tragen bringt, grundsätzlich nicht verzichten will, haben die Verantwortlichen oft genug dargelegt. Die Chancen für den im Vorjahr schier unersetzlichen Torjäger (16 Treffer), gegen Nürnberg in die Anfangself zurückzukehren, stehen somit gut. Auch wenn Schaaf betont, dass es nicht an Micoud, sondern "an Toni alleine liegt, ob er sein Potenzial wirklich ausspielt".
In puncto Einstellung könnte sich Ailton durchaus an Markus Daun (21) ein Beispiel nehmen, der den vermeintlichen "Star" überraschend aus der Stammformation gedrängt hat. Im Team 2006 überzeugte der Youngster zuletzt weniger, "war dabei aber auch viel zu sehr auf sich alleine gestellt", wie Schaaf betont. Dass Daun am Dienstag just an seinem 22. Geburtstag auf der Bank landet, ist daher auch nicht zu erwarten. Denkbare Lösung: Schaaf lässt Ailton und den griechischen Nationalstürmer Angelos Charisteas (22) in der Spitze wirbeln. Daun, ohnehin mehr Arbeitstier als Vollstrecker, könnte auf rechts ackern. Zumal Razundara Tjikuzu (22) frühestens heute, Montag, vom Länderspiel-Trip aus Namibia zurückerwartet wird.
Thiemo Müller