Bayern München: Interview mit Claudio Pizarro
"Dann suche ich mir einen anderen Verein"   (Kicker vom 9.Januar 2003)


kicker: Herr Pizarro, Sie haben an diesem Mittwoch nach Ihrer Meniskusoperation estmals mit dem Team trainiert. Sind Sie bis Saisonstart fit?
Claudio Pizarro: Klar, kein Problem.
kicker: Was erwarten Sie von der Rückrunde?
Pizarro:  Ich möchte spielen. Außerdem können und werden wir in dieser Saison Meisterschaft und Pokal holen.
kicker: Wieso haben Sie eigentlich in der Vorrunde Ihren Stammplatz verloren?
Pizarro: Weiß ich nicht. Das entscheidet allein der Trainer. Ich muss respektieren, was er macht.
kicker: Verstehen Sie ihn?
Pizarro: Nein. Ich habe in der Vorrunde meine Arbeit gut gemacht. Plötzlich war ich dann weg; ich weiß nicht, warum.
kicker: Möchten Sie es wissen?
Pizarro:  Natürlich möchte ich es wissen. Man muss doch erfahren, wieso bestimmte Dinge passieren.
kicker: Haben Sie Ottmar Hitzfeld schon gefragt?
Pizarro: Ich muss ihn nicht fragen, er ist der Trainer, er muss machen, was er denkt.
kicker: Wissen Sie schon, wie unter diesen Umständen Ihre Zukunft aussieht?
Pizarro: Bislang versuche ich nur, eine gute Form für die Rückrunde zu bekommen. Und dann muss ich sehen, was aus mir wird. Falls ich nicht spiele, kann passieren, dass ich mir einen anderen Verein suche.
kicker: Haben Sie eine Ausstiegsklausel?
Pizarro: Nein. Aber dann muss ich mit dem Verein reden. Bis zum Juni kann noch viel passieren. Vielleicht ist Bayern München aber nicht meine Mannschaft, keine Mannschaft für mich. Dann muss ich mir halt einen Klub suchen, der für mich gut ist und wo ich auch spielen kann.
kicker: Was ist gut für Sie?
Pizarro: Ich liebe es, vorne zu spielen: So kann ich Tore machen. Da habe ich auch mehr Kraft dafür. Wenn ich hängende Spitze spiele, muss ich viele Wege nach hinten machen und verliere somit viel Kraft. Aber so ist eben die Taktik des Trainers.
kicker: Gefällt die Ihnen?
Pizarro: Ich will sie nicht kritisieren, schließlich hat er damit viele Titel gewonnen. Ich jedoch spiele lieber mit zwei Stürmern, er lieber mit einem.
kicker: Ottmar Hitzfeld missfallen Ihre zu vielen Ballverluste. Hat er Unrecht?
Pizarro: Ich habe so viele Ballverluste, weil ich hinter der einzigen Spitze viel laufen muss.
kicker: Laufen Sie denn nicht gerne?
Pizarro: Ich kann laufen, aber nach vorne, nicht nach hinten. Das muss das defensive Mittelfeld machen, nicht die Stürmer. In Bremen hatte ich keine Probleme, Thomas Schaaf ist ein guter Trainer, bei ihm musste ich auswärts gut im Raum stehen, zu Hause hatte ich alle Freiheiten.
kicker: Manager Uli Hoeneß sagte während der Krisenzeit im Herbst, Sie hätten immer noch nicht begriffen, was es heißt, für den FC Bayern zu spielen.
Pizarro: Bayern München spielt sehr defensiv. Das ist nicht meine Auffassung von Fußball, ich möchte lieber offensiver spielen. Und es ist schwierig für mich, meine Meinung zu ändern.
kicker: Und wie sieht dann die Lösung aus?
Pizarro: Schwierig. Ich muss die Rückrunde abwarten, danach weiß ich, was ich mache. Ich bin hierher gekommen, um Tore zu machen. Ich bin Stürmer, ich will nicht defensiv spielen.
kicker: Wird es in der Rückrunde das Stürmer-Duell Elber gegen Pizarro geben?
Pizarro: Diese Frage stellt sich für mich nicht. Ich will Stammspieler sein.
kicker: Und falls nicht?
Pizarro: Dann weiß ich nicht, was passiert. Wenn ich nicht spiele, bin ich eben nicht der richtige Mann für diese Mannschaft.
kicker: Reizt Sie nicht die Perspektive, in München Elbers Nachfolger zu werden?
Pizarro: Ich glaube nicht. Nein.
kicker: Sind Italien oder Spanien noch immer ein Ziel für Sie?
Pizarro: Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, ich war froh in München. Jetzt aber kann es passieren. Ich muss gucken für meine Zukunft.
Interview: Karlheinz Wild