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Der Torjäger im Interview
Pizarro: 'Ich vertraue auf meine Stärken'   (Bericht vom 6.Oktober 2001)

Das Länderspielwochenende steht bevor und alle Nationalspieler des FC Bayern sind unterwegs. Alle? Nein, Claudio Pizarro ist einer der wenigen, der in diesen Tagen nicht für seine Landesauswahl auf Reisen ist. Er bekam die Freigabe von seinem Verband, um sich in München weiter zu akklimatisieren. Für das Online-Team des FC Bayern nahm sich der 23-Jährige Zeit, und plaudert in einem Exklusiv-Interview über seine ersten drei Monate beim Rekordmeister, die Konkurrenz im Bayern-Sturm und das Münchner Derby....

Claudio, Du bist jetzt seit rund drei Monaten in München. Wie lautet Deine erste Bilanz?

Claudio Pizarro: Es ist alles sehr gut. Ich bin sehr glücklich, dass ich den Schritt gewagt habe und zum FC Bayern gewechselt bin. Inzwischen habe ich mich ganz gut an die neue Umgebung gewöhnt und es wird von Tag zu Tag besser.

Nur mit dem Toreschießen will es noch nicht so klappen.

Pizarro: Ja das stimmt, irgendwie ist das Tor wie vernagelt. Aber ich arbeite in jedem Training hart daran, dass ich im Abschluss wieder etwas konzentrierter und kaltschnäuziger werde.

Im letzten Jahr hast Du allein in der Rückrunde 16 Tore erzielt, wird es in diesem Jahr auch so?

Pizarro: Nein, ich hoffe, dass ich schon bald wieder ins Tor treffe. Letzte Saison hatte ich in der Vorrunde einen ganz schlechten Lauf, habe nur dreimal ins Schwarze getroffen. Nach der Winterpause lief es dann optimal, da habe ich fast jeden Ball im Tor versenkt. Daran möchte ich natürlich sobald wie möglich wieder anknüpfen.

Was aber nicht so leicht wird, wenn man sieht, wer alles um einen Platz im Angriff streitet...

Pizarro: Das ist wahr. So ist es eben beim FC Bayern, das sind alle sehr gute Stürmer, fast alles Nationalspieler. Aber ich vertraue auf meine Fähigkeiten, auf meine Stärken und trainiere jeden Tag hart, um auch häufig zu spielen. Aber dadurch, dass wir viele Spiele in Champions League, Meisterschaft und Pokal haben, wird auch jeder zum Einsatz kommen und genügend Spielanteile bekommen.

Inwiefern war es hilfreich, dass Roque Santa Cruz schon in München war, als Du im Sommer gewchselt bist?

Pizarro: Oh, das war wirklich eine große Hilfe. Allein schon wegen der Sprache. Ich kannte ihn vorher kaum, doch inzwischen sind wir gute Freunde.




Im Sommer gab es einige Probleme wegen der Copa America. Aus Angst vor Terroranschlägen wurde sie erst abgesagt, dann doch ausgetragen. Du hast nicht gespielt. Wie siehst Du die Situation heute?

Pizarro: Für mich war das damals ganz schwierig. Ich war gerade neu in München und wollte mich für meinen neuen Klub ins Zeug legen. Gleichzeitig sollte ich aber nach Kolumbien zum Turnier reisen. Ich saß förmlich zwischen den Stühlen und wusste selber nicht, was ich tun soll. Letztendlich konnte ich in München bleiben und in Ruhe die gesamte Vorbereitung mitmachen, was im Nachhinein wohl die richtige Entscheidung war. Aber die Situation damals war wirklich nicht angenehm.

Siehst Du es als Vorteil, dass Du in dieser Woche nicht zur Nationalmannschaft reisen musstest?

Pizarro: Ja, auf jeden Fall. Unser Trainer hat mich extra nicht nominiert, damit ich mal etwas Regeneration habe und mich gleichzeitig hier weiter eingewöhne. Ich kann hier konzentriert mit der Mannschaft trainieren und an einigen Schwächen arbeiten, was durch die Reisestrapazen nicht möglich gewesen wäre. Das ist sicher nicht schlecht für mich!

Peru hat nach dem kommenden Wochenende noch zwei weitere WM-Qualifikationsspiele Anfang November gegen Argentinien und Bolivien. Wirst Du diese Spiele ebenfalls aussetzen und hier in München bleiben?

Pizarro: Das weiß ich noch nicht. Wir haben zwar keine Chance mehr, uns für die WM zu qualifizieren, doch es kommt darauf an, ob der Verband mich anfordert oder nicht. Wenn er mich anfordert, werde ich selbstverständlich spielen.

Am Mittwoch steht nun das Champions League-Spiel bei Feyenoord Rotterdam an. Wie siehst Du Eure Chancen?

Pizarro: Eigentlich sehr gut. Die Mannschaft ist gut drauf, wir haben uns in den letzten Spielen immer weiter gesteigert, sowohl in der Champions League als auch in der Bundesliga. Ich hoffe, dass wir diese Form auch in Rotterdam abrufen können  und natürlich hoffe ich, dass ich spiele.

Nur drei Tage später steht bereits das Münchner Derby auf dem Programm  für Dich das erste!

Pizarro: Ja, da freue ich mich drauf. Aber auch dieses Spiel wird nicht leicht, obwohl wir von der Papierform her klar favorisiert sind. In einem Derby ist alles möglich, da kannst du als Favorit einen rabenschwarzen Tag erwischen, und als Außenseiter gelingt dir plötzlich alles. Wir wollen das Spiel natürlich gewinnen, aber wie gesagt, es wird sehr schwer  hoffen wir, dass es ein gutes Spiel wird.