"MV" will Ailton ausbremsen   (Kreiszeitung vom 06.März 2004)

Der DFB-Boss scheucht die FIFA auf: Statuten ändern / Aber Ailton ist zu schnell für die Funktionäre

Von Carsten Sander

Ailton und Katar - es schien schon alles klar. Doch jetzt schreitet der aufgeschreckte Fußball-Weltverband FIFA ein und will das wüste Komplott des Brasilianers mit den Scheichs unterbinden. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) kündigte DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder an, den Nationalitätenwechsel des Bremer Stürmers blockieren zu wollen und vergleichbare Fälle künftig im Grundsatz zu verhindern. Nur wie das gemacht werden soll, weiß selbst "MV" noch nicht.
Vorerst bleibt es nur bei Ankündigungen. "Wir sind uns einig, dass es Unfug ist und an die Grundsubstanz von Nationalmannschaften gehen würde, wenn Leute ohne Bezug zu Land und Nationalität eingebürgert werden", sagte Mayer-Vorfelder, Mitglied der FIFA-Exekutive, der dpa. Zuvor hatte er sich mit FIFA-Generalsekretär Urs Linsi beraten. "Man hat in der FIFA den Missbrauch erkannt und will ihn abstellen", erklärte Linsi.
Vor dem 17. Mai wird das allerdings nichts. Erst dann kommt die FIFA-Exekutive in Paris turnusgemäß zusammen, um die Lücke in den Statuten zu schließen, durch die Ailton bereits am Montag schlüpfen will. Weil er noch nie für Brasilien im Einsatz war, kann er eine zweite Staatsbürgerschaft annehmen, um für seine neue "Heimat" auf Torejagd zu gehen.
Mayer-Vorfelder sieht darin einen Präzedenzfall und fürchtet eine Flut von Nachahmern. "Es muss rasch entschieden werden", fordert der DFB-Boss deshalb. Die FIFA-Rechtsabteilung ist eingeschaltet und soll in den nächsten Wochen Lösungsvorschläge präsentieren.
Ailton selbst lässt der Vorstoß völlig kalt. "Es ist mir egal, wer da was redet. Ich fliege am Sonntag nach dem Spiel nach Katar, unterschreibe, bekomme meinen Pass und spiele am 31. März für Katar gegen Jordanien." Basta! Und für Mayer-Vorfelder hat er auch noch einen Gruß auf Lager: "Der Mann ist doch Deutscher. Was interessiert es ihn da, ob ein Brasilianer für Katar spielt?"
Der beste Torjäger der Bundesliga (20 Treffer) kann die plötzlich ausgebrochene Betriebsamkeit bei der FIFA tatsächlich in aller Ruhe verfolgen. Denn wenn er erstmal katarischer Nationalspieler ist, gibt's kein Zurück mehr. "Die Staatsbürgerschaft kann Toni schließlich nicht wieder abgenommen werden", sagt Werder-Sportdirektor Klaus Allofs. Was Ailton weitere Einsätze im Auftrag der Scheichs und damit bares Geld (bis zwei Millionen Euro) bringen wird.
Dass den dreisten Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen dennoch ein Ende gesetzt wird, ist auch ganz im Sinne der Bremer. "Solche Aktionen wie die von Katar sind nicht im Sinne des Fußballs", sagt Allofs, verweist aber auch auf alte Sünden des Deutschen Fußball-Bundes: "Man denke nur an Paulo Rink - das war doch ganz ähnlich."