"Aaaailton" - nie war er so wertvoll wie heute (Kreiszeitung vom 3.November 2003)
3:1 - Stürmer schießt Werder gegen Frankfurt auf die Siegerstraße / Zehntes Tor
Von Arne Flügge
So schnell ändern sich die Zeiten: Vor drei Wochen noch als Verräter beschimpft, erhoben sich die Zuschauer am Samstag von ihren Plätzen, um ihm zu huldigen. Stehende Ovationen und langgezogene "Aaaaailton"-Rufe begleiteten Werder Bremens Stürmer bei seiner Auswechslung in der 81. Minute auf die Bank. "Toni" hatte seine Ankündigung wahr gemacht und wieder zugeschlagen. Mit seinem Tor zum 1:0 (18.) legte der Brasilianer den Grundstein zum späteren 3:1 (2:0)-Erfolg über Eintracht Frankfurt. Später bereitete Ailton noch den entscheidenden Treffer zum 3:1 durch Ivan Klasnic vor (71.). Kapitän Frank Baumann hatte zwischenzeitlich das 2:0 (24.) markiert, ehe sich Werder-Torwart Andreas Reinke ein Flanke von Chris zum 2:1 selbst reinwarf (66.). "Ich will Tore machen. Das ist gut für mich und Werder", meinte Ailton nach seinem zehnten Saisontreffer und seinem insgesamt 70. Tor in der Bundesliga. Und der "Kugelblitz" fügte hinzu: "Ich sage es noch einmal: Bis zum Saisonende gebe ich alles dafür, um hier in Bremen Erfolg zu haben." Es war ein typisches Ailton-Tor: Nach feinem Pass von Krisztian Lisztes ging der Brasilianer auf und davon, umkurvte noch zwei Frankfurter und hämmerte die Kugel in die Maschen. Da musste selbst Frankfurts Trainer Willi Reimann eingestehen: "Seinem Antritt ist niemand gewachsen. Kaum jemand anders läuft in der Liga schneller als Ailton." Der Treffer von Ailton war der einzige "normale" an diesem Nachmittag. Die weiteren fielen auf recht kuriose Weise: Beim 2:0 durch Frank Baumann im zweiten Versuch, "habe ich den Ball beim ersten Schuss nicht 100-prozentig und beim zweiten fast gar nicht getroffen", schmunzelte der Kapitän. Dennoch sprang der Ball irgendwie über Torwart Nikolov hinweg ins Tor. Dem Anschlusstreffer von Chris, bei dem Reinke freundliche Unterstützung leistete, folgte das 3:1 durch Ivan Klasnic, dessen Ball abgefälscht wurde und als Bogenlampe über Nikolov hinweg ins Tor kullerte. "Egal, Hauptsache drin", fand Frank Baumann, der in der erste Halbzeit eine sehr konzentrierte, dann aber sehr leichtsinnig spielende Bremer Mannschaft gesehen hatte. Zwischen der 52. und 70. Minute nämlich stellten die Bremer jegliche Bemühungen um eine Resultatsverbesserung ein und brachte sich nach dem Anschlusstreffer fast noch selbst um die schon sicher geglaubten drei Punkte. "Wir waren einfach nicht entschlossen genug und zu nachlässig in unseren Aktionen. Das müssen wir endlich abstellen", forderte der 28-Jährige. Während Trainer Thomas Schaaf die Schwächephase mit dem anstrengenden Pokalspiel begründete ("Die Beine waren schwer"), sah Baumann deutliche Parallelen zur zweiten Halbzeit gegen Freiburg, in der die Bremer ebenfalls stark abbauten. "Wir müssen jetzt auf der Hut sein, dass wir nicht ständig solche Probleme bekommen", sagte Baumann: "Bis jetzt ist es gut gegangen. Aber es werden auch Spiele kommen, die nicht wieder zu drehen sind. Darüber müssen wir reden." Die Schwächephase und das Auslassen von Chancen - es waren letztlich aber die einzigen Kritikpunkte. "Insgesamt haben wir gegen eine sehr defensiv eingestellte Eintracht ein gutes Spiel gemacht und auch verdient gewonnen", urteilte Baumann, "es ist ein Zeichen des Reifeprozesses der Mannschaft, dass wir die Geduld gewahrt haben." So sah es auch Klaus Allofs. "Es spricht für die Weiterentwicklung unserer Mannschaft, dass sie sich auch durch kurze Schwächephasen nicht aus dem Konzept bringen lässt", meinte Werders Sportdirektor.
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