Ailton trifft wie Ronaldo   (Kreiszeitung vom 02.Februar 2004)

"Ich habe ihn kopiert" / Auswechslung passt ihm nicht

Ailton hielt Wort. Er hatte gegen Hertha BSC Tore versprochen, und mit einem Doppelpack (17./30.) schoss der Stürmer seine Mannschaft am Samstag auch auf die Siegerstraße; und sich selbst damit ein großes Stück näher Richtung seines großen Ziels: der Torjägerkanone. "Zwei Tore sind super für mich. Mein Traum kann in Erfüllung gehen." Auf 18 Saisontreffer hat es der "Kugelblitz" mittlerweile gebracht. Ailton ist nicht zu stoppen.
Gegen Berlin profitierte er beim 1:0 von einem katastrophalen Fehlpass seines Freundes Marcelinho, den er später am Abend anrief, um ihn zu trösten. Beim 2:0 jagte er die Kugel aus halbrechter Position mit dem linken Außenrist ins lange Eck. Und grinste anschließend: "Ich habe bei diesem Tor meinen Landsmann Ronaldo kopiert. Ich schaue mir seine Tore immer im Fernsehen an."
Ailton hat seine Form aus der Hinrunde konserviert. Und er erklärt sie mit seiner individuellen Vorbereitung in Bremen nach einem Muskelfaserriss, während die Kollegen im Trainingslager in der Türkei schwitzten. "Ich konnte zunächst im Urlaub mit meiner Familie richtig ausspannen und habe dann in Bremen gezielt gearbeitet. Es läuft alles perfekt."
Nun, nicht ganz: Trainer Thomas Schaaf nämlich wechselte den Brasilianer in der 72. Minute aus. Wohl, um ihn für das DFB-Pokalspiel morgen bei Greuther Fürth zu schonen. Ailton empfand dies später als Majestäts-Beleidigung. "Ich verstehe die Auswechslung nicht", brummte der Stürmer-Star: "Die Kraft hätte gereicht, um auch Dienstag im Pokal durchzuspielen. Wenn ich Trainer wäre und hätte einen Ailton in der Mannschaft, würde Ailton immer 90 Minuten spielen. In jedem Spiel." Er ist aber kein Trainer, sondern Torjäger.
Und ein Gutes hatte seine Auswechslung dann ja doch noch: "Toni" konnte die Ovationen der Fans mit ausgebreiteten Armen und stolz wie ein Pfau entgegennehmen.